alte Wege
Kurzgeschichten

Alte Wege

Verändert hat sich hier nichts, nur Du dich. Es sieht hier aus, wie Du es verlassen hast.

Eine kleine Feldstraße, in einem kleinen Vorort. Der Weg, immer noch mit den gleichen Schlaglöchern geziert.

Die Stadt hat keinen Auftrag vergeben, damit die Schlaglöcher gefüllt werden.Vielleicht ist dieser Weg noch nicht einmal bekannt.

Aber gerade diese Tatsache, macht diesen Weg schön und authentisch. Er hat viel mitgemacht, hat eine Vergangenheit, ist nicht makellos und erfüllt trotzdem seine Aufgabe. So wie Du. Seitdem Du hier weg gegangen bist, hast Du auch dich verändert. Neue Risse bekommen, Kratzer, Macken. Manche wurden geflickt, andere heilten von selbst und einige blieben als kleine Narben.

Du gehst den Feldweg bis zum Ende und näherst dich der bekannten Gabelung. Eine Gabelung, wie du ihr oft im Leben begegnest, nur in anderen Erscheinungen.

Studium oder Beruf?
Single oder Beziehung?
Freiheit oder Familie?
Freunde oder Feinde?

Hab ich mich immer richtig entschieden?“ fragst Du dich laut. Jetzt musst Du dich auch entscheiden, links oder rechts abbiegen.

Du weißt es nicht. Wahrscheinlich weiß es Niemand.

Der Weg führt parallel zu Bahnschienen. Eine S-Bahn rauscht an dir vorbei. Als Du jünger warst, bist Du los gerannt, wenn Du die S-Bahn gehört hast. Du wolltest so schnell sein, wie die Bahn. Dein Herz überschlug sich, deine Lunge brannte, bei dem Wettlauf gegen die Bahn. Du wolltest gewinnen, wolltest auch auf Schienen geradeaus rasen.

Mit jedem weiterem Geburtstag von dir, wurde der Wunsch größer irgendwann mit dieser Bahn aus dem Dorf zu fahren. Raus aus der Langeweile, Einöde, Stagnation.

Dein Leben sollte laut sein, bunt. Mindestens so schnell, als würdest du auf Schienen fahren, nicht auf einen Weg spazieren.

Heute vermisst Du genau das. Den Stillstand, Ruhe, mal durchatmen, einfach nur sein. Es macht dich glücklich, das der Fahrradständer noch die gleichen Beulen hat, wie damals als ein Rentner ihn mit seinem Kleinwagen anfuhr.

Das Haus an der Ecke hat die selbe Farbe wie die, an die Du dich erinnerst.

Fünf Jahre später hat immer noch niemand die Mauer am Garagenhof zu Ende verputzt. Du bist melancholisch, glücklich, traurig, sauer, lächelst und wirst von unendlich vielen Erinnerungen überspült. Verlierst fast den Halt, weil die Erinnerungen dich wie Wellen treffen, gehst unter in einem Meer voller Gefühle.

Es ist bewölkt, trotzdem ist dir heiß, deine Wangen glühen, Wind kommt auf.

Du kuschelst dich in deinen dicken Pullover und bist froh, ihn angezogen zu haben, obwohl er nicht stylisch ist. Wieder zieht eine S-Bahn an dir vorbei. Du drehst dich langsam um und gehst zurück, verlässt die alten Wege, gehst zurück zu deinem Auto und fährst nach Hause.

Dein Zuhause ist nicht weit weg und trotzdem kommt es dir wie eine andere Welt vor, fast ein anderes Universum.

Habe ich mich verändert?“ Ja! In manchen Dingen zum Guten in genau so vielen zum schlechten. Es macht aber nichts. Es gehört dazu, es gehört zu dir.

Plötzlich weißt du es und kannst Freiden schließen, mit dir und mit deiner Veragnegheit. Alles hat einen Sinn, jede Erfahrung, jede Entscheidung. Egal wie klein oder manchmal auch unbedeutend.

Du weißt, das du keine zweite Chance braucht, wenn es denn überhaupt möglich wäre eine zu bekommen. Du brauchst kein von vorne, spül nochmal zurück, alles auf Anfang. Du würdest alles noch einmal genau so machen und das erfüllt dich it Glück. Du bist bereit für jede neue Herausforderung. Denn auch diese wirst du meistern und sie werden zu dir gehören und dich prägen.

Wie der kleine Feldweg, in einem Vort, in dem alles so ist, wie du es vor 5 Jahren zurück gelassen hast.

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